Liebe Freundinnen und Freunde des Bahá’í-Frauen-Forum e. V.!
Wie kann es sein, dass Wochen und Monate so schnell vergehen? Sicherlich auch, weil das BFF an vielen Orten gleichzeitig durch seine aktiven Mitglieder eine Vielzahl von Veranstaltungen ausrichtet und besucht, sodass die Zeit nur so verfliegt. Die vergangenen zwei Monate seit dem letzten Newsletter waren geprägt von lebendigem Austausch, inspirierenden Begegnungen und gemeinsamen Schritten hin zu mehr Zusammenhalt und gesellschaftlichem Engagement. Gerne möchten wir Euch an einigen Höhepunkten teilhaben lassen:
a) Weltfrauentag in Langenhain
b) Weltfrauentag in den Ortsgruppen
c) 70. UN-Frauenrechtskommission in New York
d) Stellungnahme der BIC Bahá’í International Community zur 70. Sitzung der UN Frauenrechtskommission
e) Last but not least
a) Weltfrauentag in Langenhain
Besonders bereichernd war unsere Veranstaltung „Gleichberechtigung – Motor für den gesellschaftlichen Wandel!“ zum Weltfrauentag am 08.03.2026 in und um das Haus der Andacht in Langenhain. Ganz herzlich danken möchten wir unserem BFF-Mitglied und Direktorin des Hauses der Andacht, Catherine Peseschkian, für Ihre Einladung, an diesem Tag die sonntägliche Andacht sowie die anschließende Podiumsveranstaltung im nationalen Verwaltungszentrum durchführen zu dürfen.
Der internationale Frauentag am 8. März – der z.B. in Berlin ein gesetzlicher Feiertag ist – ging Anfang des letzten Jahrhunderts aus der sozialistischen Arbeiterinnenbewegung hervor und galt ursprünglich als ein Kampftag für politische und soziale Rechte von Frauen. Seine weltweite Anerkennung erlangte er 1975 durch die Bestätigung der Vereinten Nationen. Wenn er heute auch in vielen Ländern eher symbolischen Charakter hat, ist seine ursprüngliche politische Stoßrichtung vielerorts erhalten geblieben: Die Forderung nach struktureller Gleichstellung der Geschlechter.
Für uns ist der Weltfrauentag eine weltliche Bestätigung Bahá’u’lláhs Botschaft, dass „Frauen und Männer im Angesicht Gottes von jeher gleich waren und es immer sein werden“. Diese Botschaft verdeutlichten als geistige Einstimmung unserer Veranstaltung ausgewählte und zum Teil von Janet Rawling-Keitel und Selina Post vertonte Andachtstexte. Anschließend nahmen ca. 40 Gäste an der Podiumsdiskussion teil und betrachteten aus verschiedenen Blickwinkeln die Möglichkeiten emanzipierter Männer und Frauen, zum sozialen Wandel beizutragen. Dabei waren die unterschiedlichen Perspektiven ein bereichernder Impuls für die Diskussion. Eröffnet wurde sie mit einem wunderschönen musikalischen Beitrag von Anis und Mona Mangenda.
In der Begrüßung wurde durch Catherine Peseschkian auf das historische Vorbild Tahirih (Fatimah Baraghani 1817-1852) hingewiesen. An dieser Stelle möchten wir ergänzen, dass Tahirih nicht als kämpferische Frauenrechtlerin auftrat, sondern ihre Motivation im Einsatz für Gleichberechtigung aus ihrer tiefen Liebe zu den Lehren des Báb schöpfte, in der sicheren Erkenntnis, dass – anders als von den meisten männlichen Gläubigen forciert – nicht eine Reform des Islam notwendig sei, da mit der Gottesoffenbarung des Báb eine neue Zeitrechnung begann. Ihr Auftritt bei der berühmten Konferenz in Badasht markierte den Beginn einer neuen Ära. Die dramatischen Umstände, denen Tahirih sogar ihr Leben opferte, waren ein Meilenstein und Zeichen einer neuen Zeitrechnung!
Nach der Begrüßung übernahm unsere stellvertretende Vorstandsvorsitzende Heidi Mühlschlegel das Mikrofon. Wie dankbar können wir doch sein, dass sich das Bahái-Frauen-Forum e.V. im Laufe seines inzwischen 30-jährigen Bestehens so erfolgreich sowohl lokal als auch national mit anderen Frauenorganisationen vernetzen konnte. Von Beginn an war es – anders als bei den meisten Frauenorganisationen seinerzeit – ein besonderes Kennzeichen unseres Vereins, dass auch Männer herzlich willkommen sind. Dies war seinerzeit auch Anlass für UN Women Deutschland, das BFF als Mitglied aufzunehmen, wodurch wir seit Jahren mittelbar an der jährlichen Arbeit der UN-Frauenrechtskommission teilnehmen konnten.
Heidi begrüßte das Diskussions-Panel, bestehend aus
- Frau Martina Weyand-Ong, die Gleichstellungsbeauftragte des Main-Taunus-Kreises
- Christian Reidenbach, ein Freund der Bahá´i aus Langenhain, der als engagierter zweifacher Vater kleiner Kinder in der Nachbarschaftsbewegung mitarbeitet
- Viola Martini, eine angehende Juristin, die neben ihrem Studium auch für das Bahai Büro für Außenbeziehungen in Berlin tätig ist sowie
- für das Bahái-Frauen-Forum die Vorstandsvorsitzende Ferah Aksoy-Burkert und
- Dr. Thomas Floeth
- Moderiert wurde das inhaltsreiche Gespräch in anregender und kompetenter Weise von Nura Froemel, Vorsitzende des Rates der Religionen in Frankfurt
Bei der Diskussion führte die Frage nach dem Ist-Zustand der Gleichstellung der Geschlechter zunächst auf die dunkle Seite der aktuellen Situation, was die Lage der Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft und der Welt angeht. Noch immer gibt es vielerorts Ungleichbehandlung von Männern und Frauen, Lohnnachteile, geringere Chancen in Beruf und Lebensplanung sowie Gewalt gegen Frauen. Bei manchen erreichten Fortschritten in der Frage der Gleichberechtigung sind heute Rückwärtsbewegungen (roll backs) zu erkennen. Diesbezüglich benannte die Gleichstellungsbeauftragte – in ihrer Rolle als Verantwortliche für Frauen-Beratungsangebote im Landkreis – mehrere Beispiele von Benachteiligung, Unterdrückung und Gewalt, denen Frauen und Mädchen immer noch ausgesetzt sind. Diese Aussagen wurden von weiblichen Podiumsmitgliedern bestätigt durch das Zitieren aktueller Studien zur Rollenauffassung junger Männer und Frauen der Generation Z. Deren Sicht wird vielfach durch das Internet geprägt, in der die sog. Manosphere oder Tradwives einen rückwärtsgewandten Fokus haben.
Ohne das Bild einfach wegzuwischen, führte die Moderatorin dann mit ihrer Frage, wo Fortschritte gesehen werden, in einen anderen Bereich, der Veränderungsmöglichkeiten und eine hellere Perspektive in den Blick nahm: Frauen haben in den letzten Jahrzehnten in der Bildung, Verwaltung, Wissenschaft, Politik und in Unternehmen schon viel erreicht. Aus dem Publikum kam daraufhin die Bitte an Frauen, den Stellenwert von Bildungsniveau und Verdienst bei der Partnerwahl zu überdenken. Schließlich kommt es heutzutage bei eigenem Verdienst und eigener Bildung auch auf andere Qualitäten des Partners an. Bewegend war der Bericht von Dr. Christian Reichenbach über sein eigenes Lernen in Partnerschaft und Kindererziehung sowie die Begeisterung für eine Erweiterung des männlichen Rollenbildes.
Interessant war auch die Bilanz des Panelteilnehmers Dr. Thomas Floeth, ein Mann der Babyboomer-Generation, über den in seiner Ehe gelebten mutigen, jahrelangen und kompletten Rollentausch in der Kindererziehung: Seine Bilanz fiel gemischt aus – bis hin zu der Aussage, dass er diesen Rollentausch heute wohl nicht mehr anstreben würde.
Der Gemeindebildungsprozess wurde als ein wichtiger Motor benannt, an den grundlegenden Haltungen und Strukturen anzusetzen, die sich der Gleichberechtigung entgegenstellen. Es wurde von der Langenhainer Nachbarschaftsbewegung berichtet, bei der schon kleine Kinder ein anderes Bild von Mann und Frau (z.B. in praktischer Arbeit für den Umweltschutz) vermittelt wird. Aus dem aufmerksam zuhörenden Auditorium kam an dieser Stelle der Hinweis, dass hier Diskurs in soziales Handeln vor Ort übergehen kann und muss.
In der Abschlussrunde war das Podium gekennzeichnet von Hoffnung und Zuversicht – gerade auch seitens der Gleichstellungsbeauftragten, trotz der gegenteiligen Erfahrungen in ihrem Berufsalltag. Was die Beziehung der Geschlechter angeht, wurde empfohlen, noch mehr Räume zu schaffen, in denen ein gleichberechtigter Umgang von Jungen und Mädchen, Männern und Frauen erlebt wird. Räume, in denen auch Ungewohntes versucht wird, neue Formen des Zusammenlebens erfahren werden können. Ein derartiger Raum stellt z. B. die Vernetzung von Gleichstellungsbeauftragten und Engagierten vor Ort dar. Auch spezifische Männerveranstaltungen über ein anderes Bild vom Mann-Sein können helfen, bei denen z. B. eine wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe erprobt wird. Einigkeit bestand darin, dass das Thema „Gleichberechtigung – Motor für gesellschaftlichen Wandel“ uns alle angeht, weswegen alle Menschen früher oder später hierbei zu Protagonisten des Handelns werden müssen. Nur so wird es gelingen, dass Frauen und Männer Seite an Seite eine Gesellschaft aufbauen werden, in der das Wohlergehen aller möglich wird.
„Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist keine Bedingung, deren Auswirkungen auf die Hälfte der Weltbevölkerung beschränkt sein wird. Ihre Umsetzung in die Praxis wird alle Facetten der menschlichen Gesellschaft revolutionieren ‒ das Generieren von Wissen und die Entwicklung intellektuellen Lebens, die Führungspraxis, die Verteilung der materiellen Ressourcen und den Zustand der Familie, um nur einige zu nennen. Männer müssen schließlich erkennen, dass sie unter den bestehenden Bedingungen der Ungleichheit ihr eigenes Potential nicht voll verwirklichen können. Sie sind es, die den moralischen Mut finden müssen, ein neues Verständnis von Männlichkeit aufzubauen und zu vermitteln, und die die enge Rolle, die die Gesellschaft und die Medien ihnen zuordnen, anfechten und in Frage stellen müssen. Letztlich reicht es nicht aus, in der gegenwärtigen sozialen Ordnung Raum zu schaffen, damit Frauen ihre rechtmäßige Rolle spielen können. Vielmehr ist das Ziel für Frauen und Männer, Seite an Seite zu arbeiten, jeder als Helfer des anderen ‒ innerhalb der Familie, bei der Arbeit, in der Gesellschaft und auf internationaler Ebene ‒, um eine Gesellschaft aufzubauen, die das Gedeihen aller ermöglicht.“ (Bahá’í International Community, Statement zur 59. Sitzung der UN- Frauenrechtskommission und zum 20. Jahrestag der Weltfrauenkonferenz der UN – 2015)
b) Weltfrauentag in unseren Ortsgruppen
Als Beispiel von Initiativen zum internationalen Frauentag in unseren Ortsgruppen möchten wir eine Präsentation vorstellen, die die Freiburger Freunde erarbeitet haben. Dabei sind sie auf Shila Behjats neues Buch „Frauen und Revolution“ eingegangen, das viele Beispiele mutiger Frauen weltweit aufzeigt, die sich auf ihre persönliche Art und Weise – und dabei mit einem Fokus auf „friedliche Revolution“ – für eine Veränderung der Lebensumstände in ihren Heimatländern einsetzen.
Unsere BFF-Mitglieder Burgi Böhm und Nina Heaton haben uns freundlicherweise die erarbeitete Präsentation als Word-Dokument übermittelt, das Ihr hier abrufen könnt. Mit einer passenden Powerpoint lässt sich dieser Text – je nach Ort und Art der Veranstaltung – auch in Euren Ortsgruppen einem interessierten Publikum vorstellen. Ihr seid frei, ihn für Eure Bedürfnisse anzupassen. Wir freuen uns schon auf Eure Berichte, wie die Präsentation des Buches „Frauen und Revolution“ in Eurem Umfeld aufgenommen wird.
c) 70. Frauenrechtskommission in New York – das BFF, die BIC und die UN – Großes entsteht immer im Kleinen
Großes entsteht immer im Kleinen und so hat sich das BFF Bahá’í-Frauen-Forum e. V. durch seine Mitgliedschaft und seinen Austausch mit UN Women Deutschland und weiteren Akteuren der bundesdeutschen Zivilgesellschaft bei der Vorbereitung der Positionen zur diesjährigen Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen engagiert. Unser Vorstandsmitglied Shila Behjat war in New York vor Ort und hatte die Möglichkeit eines vertieften Austausches in Side-Panels und persönlichen Gesprächen.
Shila berichtete zum Beispiel von einem Townhall-Meeting mit der Zivilgesellschaft, bei der der UN-Generalsekretär António Guterres den aktuell massiven weltweiten „Backlash“ (Rückschritt) von Frauenrechten als letztes Aufbäumen des Patriarchats bezeichnete…
d) Stellungnahme der BIC Bahá’í International Community zur 70. Sitzung der UN Frauenrechtskommission
Das Konzept Gerechtigkeit neu denken – Das Fundament für eine geschlechtergerechte Welt legen
„Kein Licht kann sich mit dem der Gerechtigkeit vergleichen. Die Begründung der Ordnung in der Welt und die Ruhe der Völker hängen davon ab.“ (aus den Bahá’í-Schriften)
e) Last but not least
In den letzten Wochen und Monaten durften wir uns über mehrere neue BFF-Mitglieder freuen. Die Zunahme von Aktivitäten in den Ortsgruppen stärkt unser Vertrauen in die Realisierung unserer gemeinsamen Vision einer gerechten, gleichberechtigten und friedlichen Zukunft. Weltweit ist die Entwicklung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern ein nach wie vor dringendes und immer noch nicht von allen anerkanntes Ziel, ein Eckpfeiler für die Entwicklung der ganzen Welt hin zu Gerechtigkeit und Frieden. Aus diesem Grund ist jede Seele, die an der Verwirklichung unserer Vision mitarbeitet eine wertvolle Stütze unserer Bemühungen.
Gerne sehen wir auch Männer in unseren Ortsgruppen, die sich in Form von #heforshe bzw. zur Realisierung ihrer eigenen Potentiale für die Arbeit des BFF interessieren und diese unterstützen möchten. Aus diesem Grund freuen wir uns, wenn Ihr in Eurem Umfeld Werbung für eine Mitgliedschaft Eurer männlichen Familienangehörigen, Freunde, Arbeitskollegen machen würdet.
Wir hoffen, Euch mit diesem Newsletter mal wieder mitnehmen zu können zu den verschiedenen Aktivitäten in den vergangenen zwei Monaten. Lasst uns gerne Eure Gedanken und Anmerkungen zukommen, die wir in unsere zukünftige Arbeit mit aufnehmen können. Für heute senden wir Euch unsere
herzlichst verbundenen Grüße,
Euer Bahá’í-Frauen-Forum e. V.
i.A. Sonja Jochum
Vorstand Sekretariat
Burrwiesenweg 7, 66538 Neunkirchen