MITGLIEDERVERSAMMLUNG 2026
Austausch mit den Mitgliedern
Dokumentation der eingebrachten Gedanken, Fragen und Anregungen
Zur Einordnung Diese Dokumentation hält die wesentlichen Wortmeldungen und Gedanken aus dem Austausch fest. Ergänzende Überlegungen und mögliche nächste Schritte sind jeweils als solche gekennzeichnet. Sie sind Anregungen zur weiteren Beratung und stellen keine bereits beschlossenen Positionen oder Maßnahmen des BFF dar. |
Ein roter Faden der Diskussion
Im Austausch wurde deutlich, dass die Mitglieder nicht nur einzelne Aktivitäten oder klassische Fragen der Frauenförderung in den Blick nehmen wollten. Immer wieder ging es um eine weiterreichende Perspektive: Wie können Frauen und Männer ihre Fähigkeiten und Erfahrungen partnerschaftlich einbringen, gesellschaftliche Entwicklung mitgestalten und gemeinsam zu einer friedlicheren Welt beitragen?
Die Beiträge berührten dabei fünf miteinander verbundene Themenfelder: Frauen und ihre Geschichten sichtbar machen, die Wirkung der BFF-Arbeit reflektieren, Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit vertiefen, Frauen als Mitgestalterinnen einer friedlichen Gesellschaft stärken und den Beitrag von Frauen zum Weltfrieden genauer untersuchen.
Wichtig für die weitere Verwendung Die nachfolgenden Abschnitte unterscheiden zwischen den Inhalten des Gesprächs und weiterführenden Überlegungen. Wo Vorschläge zur möglichen Arbeit des BFF formuliert werden, sind diese ausdrücklich als Anregungen und nicht als Beschlüsse zu verstehen. |
1. Frauen sichtbar machen – Geschichten, die verbinden
Gesprächsbeitrag: Eine Porträt- oder Veranstaltungsreihe
Angeregt wurde eine Reihe, in der Frauen persönlich vorgestellt werden und ihre Geschichten erzählen können. Im Mittelpunkt sollen nicht ausschließlich Frauen mit Migrationsgeschichte stehen, sondern Frauen unterschiedlicher Herkunft und Lebenssituationen, die sich gesellschaftlich engagieren, Verantwortung übernehmen oder durch ihre Erfahrungen und ihr Handeln etwas bewegen.
Als mögliche Themen wurden genannt:
- Integration und Migration
- Inklusion und das Leben mit Behinderung
- interkultureller und interreligiöser Dialog
- ehrenamtliches Engagement und der Einsatz für andere Menschen
- persönliche Lebensgeschichten und gesellschaftliche Herausforderungen
Als Beispiel wurde eine journalistisch aufgegriffene Begegnung im Umfeld der Special Olympics in Berlin genannt: Eine Frau hatte ihren behinderten Sohn begleitet, der mit seiner Tanzgruppe auftrat. Die Geschichte dahinter wurde in einer Zeitschrift veröffentlicht, die von einer Frauengruppe redaktionell gestaltet wird.
Zu dem beschriebenen Zeitschriftenmodell gehören eigene Beiträge von Frauen, eine Redaktion, die Artikel bespricht und auswählt, sowie externe Unterstützung bei Gestaltung und Layout. Die Stadt übernimmt dort die Druckkosten. Bereits umgesetzte Schwerpunktthemen waren Gewalt gegen Frauen und Rassismus.
Für das BFF wurde sowohl eine Publikation als auch eine Veranstaltungsreihe als denkbare Übertragung angesprochen. Eine Möglichkeit wäre, bei einzelnen Veranstaltungen jeweils fünf Frauen vorzustellen und ihnen Raum zu geben, von ihrem Lebensweg, ihren Erfahrungen, ihrem Engagement und dem zu erzählen, was sie bewegt.
Weiterführende Überlegung
Als möglicher Arbeitstitel wurde „Frauen erzählen – Geschichten, die verbinden“ vorgeschlagen. Die Reihe könnte Frauen unterschiedlicher Herkunft, Religion, Generation und Lebenssituation zusammenbringen. Im Vordergrund stünden nicht die Unterschiede, sondern die persönlichen Geschichten, gemeinsame Erfahrungen und die Kraft weiblichen Engagements.
Eine öffentliche Veranstaltungsreihe könnte journalistisch begleitet werden. Aus den Begegnungen könnten Porträts für den BFF-Newsletter oder die Website entstehen. So würden die Geschichten über den Veranstaltungstag hinaus dokumentiert und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich.
Möglicher nächster Schritt Mit einer Pilotveranstaltung beginnen und prüfen, ob Frauen gerne ihre Geschichten teilen und welches Interesse beim Publikum besteht. Auf dieser Grundlage könnte entschieden werden, ob daraus eine fortlaufende BFF-Reihe entstehen soll. |
2. Die Wirkung des BFF erkennen und gemeinsam reflektieren
Gesprächsbeitrag: Was bewirkt unsere Arbeit?
Ausgangspunkt war die Frage, woran das BFF erkennen kann, ob seine Arbeit tatsächlich etwas bewirkt und ob gesellschaftliche oder gemeinschaftliche Fortschritte sichtbar werden. Es geht dabei nicht allein um die Zahl der Veranstaltungen oder umgesetzten Projekte, sondern auch darum, was sich durch diese Aktivitäten verändert.
Zum Vergleich wurde die kommunale Gleichstellungsarbeit genannt, in der hauptamtliche Stellen Entwicklungen teilweise anhand konkreter Zahlen erfassen – etwa die Beteiligung von Frauen in kommunalen Gremien oder Veränderungen, die durch Gleichstellungsmaßnahmen erreicht wurden. Das BFF arbeitet dagegen ehrenamtlich; eine vergleichbar aufwendige Evaluation wäre mit den vorhandenen Ressourcen nicht möglich.
Als konkretes Beispiel wurde die Entwicklung der Kinder- und Junior-Jugendgruppen angesprochen. Während sich früher überwiegend Mütter in Kinderklassen engagierten, könnte heute auch der Anteil der Männer gestiegen sein. Ob und in welchem Umfang dies tatsächlich zutrifft, müsste anhand vorhandener Informationen geprüft werden.
Weitere Fragen aus dem Gespräch waren:
- Wie viele Frauen und Männer engagieren sich heute in den verschiedenen BFF-Aktivitäten?
- Wie viele Kinder- und Junior-Jugendgruppen gibt es, und wie hat sich ihre Zahl entwickelt?
- Wie hat sich die Beteiligung an den Aktivitäten über die Jahre verändert?
- Welche neuen Kooperationen, Begegnungen und Netzwerke sind entstanden?
- Welche konkreten Veränderungen nehmen die beteiligten Frauen selbst wahr?
Es wurde angeregt, zu prüfen, welche Daten bereits vorhanden sind und welche Entwicklungen sich daraus ablesen lassen.
Wirkung als gemeinsame Verantwortung
Die Frage nach der Wirkung sollte nicht auf die Arbeit des Vorstands verengt werden. Entscheidend ist der Beitrag des BFF als Gesamtorganisation – einschließlich der Arbeit seiner Mitglieder, Ortsgruppen, Initiativen und ehrenamtlich Engagierten.
Dabei müssen die unterschiedlichen örtlichen Ausgangsbedingungen berücksichtigt werden. Als Beispiel wurde Neunkirchen genannt, wo das BFF durch seine Aktivitäten eine gewisse Bekanntheit erreicht hat. In einer Stadt wie Berlin, in der zahlreiche Initiativen und Veranstaltungen stattfinden, ist es wesentlich schwieriger, mit den eigenen Aktivitäten wahrgenommen zu werden. Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres zwischen Orten vergleichen.
Für die öffentliche Wahrnehmung wurde angeregt, möglichst als Ortsgruppe des BFF aufzutreten und nicht nur als Einzelpersonen. Der Vorstand bietet den Ortsgruppen dafür die Möglichkeit, eigene Ortsgruppen-Logos zu nutzen. Interessierte Mitglieder können sich hierzu mit dem Vorstand in Verbindung setzen.
Wirkung entsteht oft langfristig
Es wurde darauf hingewiesen, dass gesellschaftliche Probleme, mit denen sich das BFF bereits vor Jahrzehnten beschäftigt hat, weiterhin bestehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die bisherige Arbeit wirkungslos war. Fortschritt lässt sich nicht ausschließlich an kurzfristigen oder unmittelbar messbaren Ergebnissen festmachen. Wichtig sind Kontinuität, das Festhalten an einer gemeinsamen Vision und das Lernen aus den Erfahrungen anderer Gruppen.
Ein Beispiel aus Berlin veranschaulichte, wie sich Wirkung schrittweise und zunächst unerwartet entwickeln kann: Bahá’í-Freunde boten in einem Kiez kontinuierlich Kinderklassen an und bauten Beziehungen auf. Inzwischen haben mehrere Kindertagesstätten angefragt, ob ihre Mitarbeiterinnen ausgebildet werden können, um selbst Kinderklassen anzubieten; dazu gehört unter anderem eine Einführung in Ruhi-Buch 3. Aus einer lokalen Aktivität ist so ein weiterreichendes Interesse entstanden.
Das Beispiel zeigt einen möglichen Multiplikatoreffekt: Menschen werden auf eine Initiative aufmerksam, gewinnen Vertrauen, möchten selbst mitwirken und tragen die Aktivität weiter. Neue Kooperationen und eigenständige Initiativen können entstehen.
Persönliche, gemeinschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung
Die Wirkung des BFF zeigt sich nicht nur im Umfeld, sondern auch bei den Menschen, die sich engagieren. In der Vorstellungsrunde hatten mehrere Teilnehmerinnen berichtet, dass ihre Mitarbeit im BFF für sie identitätsstiftend gewesen sei und sie persönlich weitergebracht habe. Engagement kann Selbstvertrauen, Fähigkeiten, neue Perspektiven und ein stärkeres Bewusstsein für die eigene Gestaltungskraft fördern.
Daraus ergeben sich drei miteinander verbundene Ebenen:
- Individuelle Ebene: Menschen entwickeln Fähigkeiten, Selbstvertrauen und neue Perspektiven.
- Gemeinschaftliche Ebene: Die Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten innerhalb des BFF wachsen; mehr Menschen übernehmen Verantwortung.
- Gesellschaftliche Ebene: Neue Impulse, Kooperationen und Initiativen tragen dazu bei, das gesellschaftliche Umfeld mitzugestalten.
Benötigt wird eine einfache Reflexion
Für das BFF wäre ein aufwendiges Evaluationssystem nicht möglich. Eine einfache, regelmäßig nutzbare Reflexion könnte drei Fragen unterscheiden:
| Ebene | Leitfrage | Mögliche Beispiele |
| Aktivitäten | Was haben wir getan? | Veranstaltungen, Workshops, Projekte |
| Ergebnisse | Wen haben wir erreicht? | Teilnehmende, neue Gruppen, Kooperationen |
| Wirkung | Was hat sich verändert? | Neue Netzwerke, mehr Beteiligung, veränderte Einstellungen und Handlungsmöglichkeiten |
Besonders die dritte Ebene ist wichtig. Gesellschaftlicher Fortschritt lässt sich nicht immer in Zahlen ausdrücken. Auch persönliche Erfahrungen, neue Beziehungen, die Bereitschaft zur Mitwirkung und die Übernahme von Verantwortung können Hinweise auf Wirkung sein. Die Reflexion sollte die gemeinsame Arbeit des BFF in den Blick nehmen und nicht als Bewertung einzelner Personen oder des Vorstands verstanden werden.
Mögliche nächste Schritte Das Sekretariat um eine Übersicht bereits vorhandener Daten bitten; gemeinsam wenige, praktikable Reflexionsfragen festlegen; Erfahrungen und Beispiele aus den Ortsgruppen sammeln. Dabei örtliche Unterschiede berücksichtigen und nicht alle Gruppen an denselben Maßstäben messen. |
3. Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit vertiefen – gemeinsam neue Formen des Miteinanders entwickeln
Gesprächsbeitrag: Was bedeutet Gleichberechtigung wirklich?
Eine Teilnehmerin berichtete, dass sie sich durch ihre Erfahrungen im interreligiösen Dialog immer wieder mit der Frage beschäftigt, was Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit von Frauen und Männern bedeuten. Begegnungen mit anderen Religionsgemeinschaften, insbesondere mit muslimischen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern, regen dazu an, unterschiedliche Vorstellungen kennenzulernen und die eigenen Überzeugungen genauer zu formulieren.
Gleichberechtigung wurde dabei als mehr verstanden denn gleiche berufliche Chancen, gleiche Bezahlung, eine gleiche Zahl von Frauen und Männern in Führungspositionen oder eine gleiche Beteiligung an Entscheidungsprozessen. Im Zentrum steht auch die Anerkennung jedes Menschen in seiner Würde, seinen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit. Menschenwürde ist dem Menschen als Menschen eigen.
Als Beispiel für unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven wurde ein Diversity-Seminar in Berlin genannt, bei dem sich die Teilnehmenden mit den Pronomen vorstellten, mit denen sie angesprochen werden möchten. Das löste zunächst Irritation aus; zugleich wurde anerkannt, dass diese Praxis für andere Menschen eine wichtige Form der Anerkennung darstellen kann. Daraus entstand die Frage, wie ein interkultureller und interreligiöser Dialog unterschiedliche Vorstellungen von Identität, Geschlecht und Gleichberechtigung aufnehmen kann, ohne vorschnell zu urteilen.
Als mögliche Fragen für eine vertiefende Beschäftigung wurden genannt:
- Was bedeuten Gleichberechtigung, Gleichstellung und Gleichwertigkeit – und worin unterscheiden sie sich?
- Was bedeutet Menschenwürde unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und gesellschaftlicher Identität?
- Wie zeigt sich Gleichberechtigung im gesellschaftlichen Zusammenleben?
- Welche Vorstellungen finden wir in unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen?
- Wie können wir unser Verständnis in gesellschaftlichen und interreligiösen Räumen verständlich vermitteln?
Vom Einsatz für Frauenrechte zur Mitgestaltung gesellschaftlicher Zukunft
Ein weiterer Beitrag stellte die Frage, warum der Beitrag von Frauen bei Diskussionen über große gesellschaftliche Herausforderungen und die Zukunft der Menschheit noch immer häufig ausgeblendet wird. Als Anlass wurde eine Veranstaltung in Wiesbaden zum 100. Geburtstag von Udo Schäfer geschildert. In Vorträgen über gesellschaftliche Entwicklung und den „Clash of Civilizations“ kam die Rolle der Frauen nicht zur Sprache. Eine Teilnehmerin machte daraufhin auf die Bedeutung der Frauen aufmerksam und brachte ein Zitat von ‘Abdu’l‑Bahá ein.
Die bisherige Arbeit des BFF zu Gewalt gegen Frauen, Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Teilhabe wurde gewürdigt. Zugleich wurde angeregt, den Blick stärker auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu richten:
- Welchen Beitrag können Frauen zur Überwindung gesellschaftlicher Spaltungen leisten?
- Welche Rolle spielen Frauen bei Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt?
- Wie können Frauen zur Überwindung von Gewalt und Konflikten beitragen?
- Welche Perspektiven bringen Frauen in Debatten über Frieden, Gerechtigkeit und gesellschaftliche Entwicklung ein?
- Wie können Erfahrungen aus der praktischen Arbeit vor Ort stärker in gesellschaftliche Diskussionen eingebracht werden?
Die Vision von ‘Abdu’l‑Bahá, dass Weltfrieden erst verwirklicht werden kann, wenn die Gleichberechtigung von Frauen und Männern anerkannt und verwirklicht ist, wurde als grundlegender Bezugspunkt genannt. Die Teilnehmerin formulierte dazu keine fertige Antwort, sah aber großes Potenzial in der Arbeit des BFF – für die Gesellschaft, die Gemeinschaften vor Ort und die persönliche Entwicklung der Frauen.
Gleichberechtigung als Grundlage für gesellschaftlichen Fortschritt
Weitere Wortmeldungen betonten die Diskrepanz zwischen theoretischem Wissen und praktischer Umsetzung. Die Bedeutung der Frauen für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse ist bekannt; dennoch gelingt es im Alltag noch zu selten, diese Überzeugungen konsequent zu leben und die Rolle der Frauen sichtbar zu machen – auch innerhalb der eigenen Gemeinschaften.
Gleichberechtigung wurde nicht als isolierte Frauenangelegenheit verstanden, sondern als wesentliche Grundlage für:
- Frieden und Sicherheit
- Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung
- Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt
- Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe
- eine nachhaltige Entwicklung der Menschheit
Das BFF könnte dazu beitragen, diese Zusammenhänge stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen und verständlich zu machen, wie Gleichberechtigung, gesellschaftliche Entwicklung und Weltfrieden miteinander verbunden sind.
Partnerschaftlichkeit statt Anpassung an bestehende Machtstrukturen
In der Diskussion wurde beobachtet, dass Frauen in politischen, gesellschaftlichen und institutionellen Führungspositionen mitunter eher eine symbolische Funktion erfüllen, während die tatsächlichen Entscheidungsstrukturen unverändert bleiben. Frauen müssen sich innerhalb solcher Strukturen häufig an bestehende Verhaltensweisen und Machtmechanismen anpassen, um gehört zu werden.
Daran schloss sich eine Frage an das BFF selbst an: Welche Rolle haben Männer im Bahá’í-Frauen-Forum? Bedeutet ihre Beteiligung vor allem, bei Veranstaltungen anwesend zu sein und zuzuhören, oder geht es um partnerschaftliche Zusammenarbeit, in der Frauen und Männer gemeinsam Ziele entwickeln und Verantwortung übernehmen?
Angesprochen wurde auch die gesellschaftliche Bewertung von Eigenschaften wie Empathie, Einfühlungsvermögen, Fürsorglichkeit, Kooperation und verständigungsorientierter Kommunikation. Sie werden häufig als eher weiblich wahrgenommen und teilweise geringer bewertet. Zugleich wurde kritisch angemerkt, dass Frauen in Führungspositionen nicht automatisch andere Formen des Führens und Entscheidens etablieren. Die bloße zahlenmäßige Beteiligung reicht daher nicht aus; auch Werte, Einstellungen und Formen der Zusammenarbeit müssen sich verändern.
In der weiterführenden Reflexion wurde ergänzt, dass solche Fähigkeiten nicht einem Geschlecht zugeordnet werden sollten: Frauen und Männer können gleichermaßen Empathie, Kooperation und Durchsetzungsfähigkeit entwickeln. Ziel wäre eine Kultur, in der nicht Macht und Konkurrenz, sondern Kooperation, Gerechtigkeit und gemeinsame Verantwortung das Handeln bestimmen.
Die Gleichwertigkeit in der eigenen Gemeinschaft verankern
Eine Teilnehmerin griff Aussagen aus den Bahá’í-Schriften auf, wonach grundlegende menschliche Eigenschaften und Bedürfnisse – etwa die Suche nach Gemeinschaft – keinem Geschlecht zugeordnet sind. Die bekannte Aussage von ‘Abdu’l‑Bahá, Frauen und Männer seien die zwei Flügel eines Vogels, sei wichtig, müsse aber durch konkrete Vorstellungen und Handlungsweisen ergänzt werden.
Es wurde gefragt, wie bekannt die konkreteren Aussagen zur Gleichberechtigung und zur gesellschaftlichen Rolle der Frauen unter den Männern in der deutschen Bahá’í-Gemeinschaft sind. Angeregt wurde, einschlägige Schriften und Botschaften nicht nur individuell zu lesen, sondern gemeinsam zu studieren und ihre Bedeutung für Familien, Gemeinden, Institutionen, Führungsstrukturen und gesellschaftliche Beziehungen zu reflektieren.
Als mögliche Grundlage wurden ausgewählte Zitate aus den Schriften und insbesondere aus den Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vorgeschlagen. Sie könnten zu Beginn gemeinsamer Beratungen vorgestellt werden – nicht als fertige Antworten, sondern als geistige Impulse, die zum Nachdenken und zum Hinterfragen eigener Gewohnheiten anregen.
Weiterführende Überlegung: Ein gemeinsamer Lern- und Reflexionsprozess
Als möglicher Arbeitstitel wurde „Zwei Flügel – eine gemeinsame Aufgabe: Gleichwertigkeit leben und Gesellschaft gestalten“ vorgeschlagen. Ein solcher Prozess könnte drei Schritte umfassen:
- Gemeinsam studieren: Ausgewählte Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und Schriften von ‘Abdu’l‑Bahá zur Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Entwicklung lesen und besprechen.
- Gemeinsam reflektieren: Was bedeuten diese Aussagen für Familien, Gemeinden, Institutionen, Führungsstrukturen und gesellschaftliche Beziehungen?
- Gemeinsam handeln: Überlegen, welche konkreten Verhaltensweisen, Entscheidungsprozesse und Formen der Zusammenarbeit daraus folgen können.
Mögliche Leitfragen für die gemeinsame Beschäftigung:
- Was sagt uns der Text über die Gleichwertigkeit von Frauen und Männern?
- Was bedeutet diese Aussage für unser heutiges gesellschaftliches Zusammenleben?
- Wo müssen wir unsere eigenen Gewohnheiten und Strukturen überdenken?
Mögliche nächste Schritte Ein kleines Text- und Impulspaket zusammenstellen und prüfen, in welcher Form ein gemeinsamer Studien- und Reflexionsprozess mit Frauen und Männern angestoßen werden kann. Dabei sollte Raum für offene Beratung und unterschiedliche Erfahrungen bleiben. |
4. Frauen als Mitgestalterinnen einer friedlichen Gesellschaft – lokal und global
Gesprächsbeitrag: Die politische und internationale Perspektive
Die Diskussion machte deutlich, dass die Bedeutung der Gleichberechtigung angesichts globaler politischer Entwicklungen besonders sichtbar wird. Der Umgang autokratischer Machthaber mit Frauen verdeutlicht, wie eng die Stellung der Frauen mit Demokratie, Freiheit und gesellschaftlicher Entwicklung verbunden ist.
Zugleich wurde betont, dass Frauen nicht nur in politischen und sozialen Bereichen, sondern ebenso in Wirtschaft, Industrie, Landwirtschaft und Wissenschaft wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung der Gesellschaft leisten. Ihre Fähigkeiten, Perspektiven und Beteiligung sind für die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften unverzichtbar.
Als hoffnungsvolles Beispiel wurde die internationale Arbeit von UN Women angesprochen. Dass Vertreterinnen dieser Organisation auf höchster internationaler Ebene präsent sind und mit Regierungsdelegationen sowie politischen Entscheidungsträgern im Austausch stehen, wurde als ermutigendes Zeichen gewertet.
Die Verbindung zwischen lokalem Engagement und globaler Verantwortung
Das BFF arbeitet lokal und überwiegend ehrenamtlich; seine Anliegen stehen jedoch in einem globalen Zusammenhang. Gleichberechtigung berührt grundlegende Fragen der gesellschaftlichen Ordnung, der politischen Verantwortung, der wirtschaftlichen Entwicklung und des Weltfriedens. Die Arbeit vor Ort, internationale Vernetzung und die Vision eines friedlichen Zusammenlebens gehören zusammen.
Die Diskussion führte damit zu einer übergeordneten Perspektive: Frauen sind nicht nur diejenigen, deren Rechte geschützt und deren Benachteiligungen überwunden werden müssen. Sie sind aktive Mitgestalterinnen gesellschaftlicher Entwicklung. Ihre Erfahrungen und Fähigkeiten sind für die Lösung gesellschaftlicher Probleme unverzichtbar. Die Gleichberechtigung ist nicht nur ein Ziel der Frauenpolitik, sondern eine Voraussetzung für den Fortschritt der gesamten Menschheit.
Leitfrage für die weitere Ausrichtung Wie können Frauen durch ihre Fähigkeiten, Erfahrungen, Werte und ihr gesellschaftliches Engagement aktiv zur Gestaltung einer friedlichen und gerechten Gesellschaft beitragen – und wie kann das BFF diese Beiträge sichtbarer und wirksamer machen? |
5. Der Beitrag von Frauen zum Weltfrieden – Forschungsbedarf und mögliche Arbeitsgrundlage
Gesprächsbeitrag: Warum engagieren sich so wenige Männer im BFF?
Zum Ende des Austauschs wurde erneut die Frage gestellt, warum sich vergleichsweise wenige Männer im Bahá’í-Frauen-Forum engagieren. Als möglicher Grund wurde auch der Vereinsname angesprochen. Ob die Bezeichnung „Bahá’í-Frauen-Forum“ Männer von einer Mitarbeit abhält, ist schon länger Gegenstand interner Überlegungen. Die Rückmeldung wurde dankbar aufgenommen; die Frage blieb offen.
In diesem Zusammenhang wurde betont, dass Weltfrieden nur erreichbar sein wird, wenn Männer die gleichberechtigte Einbeziehung von Frauen in Friedensverhandlungen anerkennen und sich dafür einsetzen.
Die aufgeworfene Recherchefrage
Eine Teilnehmerin fragte, ob es weltweit wissenschaftliche Untersuchungen, Veröffentlichungen oder systematische Zusammenstellungen dazu gibt, welchen Beitrag Frauen zur Verwirklichung des Weltfriedens leisten können. Besonders interessierten folgende Fragen:
- Gibt es Forschungsarbeiten zum Zusammenhang zwischen Gleichberechtigung und Frieden?
- Welche Erfahrungen haben Bahá’í-Gemeinden und andere Organisationen weltweit gesammelt?
- Gibt es systematische Darstellungen des Beitrags von Frauen zur Friedensentwicklung?
- Welche Erkenntnisse könnten für die heutige Arbeit des BFF aufgegriffen werden?
Als mögliche Literatur wurde ein Buch von Farah Dustar angesprochen. Zugleich wurde angemerkt, dass die Veröffentlichung bereits älter ist und eine Aktualisierung oder Neuauflage sinnvoll sein könnte. Die Idee einer erneuten, umfassenden Recherche wurde ausdrücklich begrüßt.
Ausgangsdokument muss erste Recherchehinweise aufweisen
Bekannt ist, dass es international Forschungsarbeiten, UN-Dokumente und Bahá’í-Veröffentlichungen zu diesem Themenfeld gibt, die jedoch über verschiedene Fachgebiete verteilt sind. Eine aktuelle, speziell auf die Arbeit eines Bahá’í-Frauenforums zugeschnittene Zusammenstellung wurde als sinnvoll eingeschätzt. Wer sich aber dieser Aufgabe widmen könnte, ist zur Zeit nicht bekannt.
Als wichtiger internationaler Bezugspunkt wird die UN-Sicherheitsratsresolution 1325 aus dem Jahr 2000 genannt. Sie begründete die Agenda „Women, Peace and Security“ (Frauen, Frieden und Sicherheit). Im Ausgangstext werden dazu folgende Schwerpunkte aufgeführt:
- Beteiligung von Frauen an Friedensverhandlungen und politischen Entscheidungen
- Schutz von Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten
- Einbeziehung der Geschlechterperspektive in Friedens- und Wiederaufbauprozesse
- Stärkung von Frauen als aktive Friedensgestalterinnen
Die Vereinten Nationen betonen in diesem Zusammenhang, dass Frauen nicht nur Opfer von Konflikten sind, sondern wichtige Akteurinnen bei Konfliktprävention, Vermittlung und Friedensaufbau.
Möglicher nächster Schritt: eigenständiger Rechercheauftrag Die Recherche müsste als eigener Arbeitsauftrag durchgeführt werden. Sinnvoll wäre eine strukturierte Zusammenstellung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, UN-Dokumente, Erfahrungen von Friedensorganisationen sowie einschlägiger Bahá’í-Veröffentlichungen. Gibt es im BFF Kapazitäten bzw. einzelne Freunde, die sich dieser Aufgabe widmen könnten? |
Abschließende Zusammenführung
Die Wortmeldungen zeigen ein gemeinsames Anliegen: Das BFF möchte die Gleichberechtigung von Frauen und Männern nicht nur als Forderung vertreten, sondern ihre Bedeutung für das konkrete Zusammenleben, die gesellschaftliche Entwicklung und den Frieden sichtbar machen.
Dazu gehören mehrere miteinander verbundene Aufgaben: Frauen und ihre Geschichten öffentlich sichtbar zu machen; die Wirkung der eigenen Arbeit aufmerksam und realistisch zu reflektieren; Gleichwertigkeit und Partnerschaftlichkeit auch in den eigenen Gemeinschaften praktisch zu leben; Frauen als aktive Gestalterinnen gesellschaftlicher Entwicklung einzubeziehen; und den Beitrag von Frauen zu Konfliktprävention, Friedensverhandlungen und Friedensaufbau fundiert darzustellen.
Ein übergreifender Gedanke lässt sich so formulieren:
Nicht nur etwas für Frauen tun, sondern gemeinsam mit Frauen und Männern an einer gerechteren, partnerschaftlicheren und friedlicheren Gesellschaft arbeiten.
Die in dieser Dokumentation festgehaltenen Vorschläge bieten Ansatzpunkte für weitere Beratungen. Welche davon aufgegriffen und in konkrete Vorhaben überführt werden, wird in weiterführenden Beratungen entschieden.