Liebe Freundinnen und Freunde des Bahá’í-Frauen-Forum e. V. !
Gemeinschaft stärken – Menschen begleiten – Hoffnung nähren…
…das waren die Themen, die uns in den Monaten Mai und Juni begleiteten. Im Rückblick schauen wir dankbar auf inspirierende Begegnungen, wichtige gesellschaftliche Impulse und vielfältige Gelegenheiten des gemeinsamen Lernens und Dienens: In Gesprächen, Veranstaltungen und Bildungsangeboten wurde sichtbar, wie Gemeinschaft wachsen kann: durch Fürsorge, gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame Bemühen um eine gerechtere und friedvollere Welt. Dabei waren und sind wir uns sehr bewusst, dass die radikalen Kräfte einer Welt im Umbruch uns weltweit vor Herausforderungen stellen, die unsere ganze Zuversicht und Vertrauen in Bahá’u’lláhs Versprechen des Weltfriedens benötigen. Wohin wir auch blicken, erkennen wir, wie sehr insbesondere Frauen und Mädchen unter Gewalt, Zwang, Erniedrigung und Unfreiheit leiden.
Sorge um die Lage der Bahá’í im Iran
So richtet sich unser Blick auch auf die anhaltend schwierige Situation der Bahá’í im Iran. Berichte über erneute Verhaftungen – darunter auch die Inhaftierung einer schwangeren Frau – haben viele Freunde tief bewegt.
Diese Entwicklungen erinnern uns daran, wie wichtig das Eintreten für Religionsfreiheit, Menschenwürde und Gerechtigkeit bleibt. Anteilnahme zeigt sich nicht allein im Mitgefühl, sondern auch darin, informiert zu bleiben und die Hoffnung auf eine Zukunft wachzuhalten, in der Menschen ungeachtet ihres Glaubens frei und sicher leben können.
Gedanken zum Muttertag – Verantwortung gemeinsam tragen
Doch auch in Deutschland erleben wir, dass Frauen Gewalt erfahren. Diese ist nicht nur persönlicher Natur, sondern beruht auch auf Strukturen und Sichtweisen, die es Frauen zum Beispiel schwer machen, sich für das Muttersein zu entscheiden, was auch den sichtbaren Geburtenrückgang erklärt. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns mit folgenden Aussagen von UN Women Deutschland:
Mutterschaft wird gesellschaftlich idealisiert – doch wenn es um Arbeit, Sicherheit, finanzielle Unabhängigkeit oder gesellschaftliche Teilhabe geht, wird es oft still. Schon Mädchen wachsen mit der Vorstellung auf, dass Mutterschaft ein natürlicher Teil ihres Lebens sein soll — geprägt durch Erziehung, Spielzeug, Medien, Religion, Kultur und gesellschaftliche Erwartungen. Mutterschaft wird romantisiert, idealisiert und häufig als wichtigste Rolle einer Frau dargestellt. Doch wenn Frauen sich tatsächlich für Mutterschaft entscheiden, erleben viele fehlende Unterstützung, berufliche Nachteile, finanzielle Belastungen, ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und gesellschaftlichen Druck. Mütter werden oft idealisiert, solange sie alles gleichzeitig bewältigen, sich aufopfern und funktionieren. Die strukturellen Folgen tragen Frauen jedoch häufig allein. Mütter brauchen keinen Heiligenschein — sie brauchen echte Unterstützung, Schutz vor Diskriminierung, verlässliche Kinderbetreuung und politische Rahmenbedingungen, die Familien tatsächlich stärken. Die Gesellschaft liebt die Idee der Mutter — doch die Realität vieler Frauen wird noch immer nicht ausreichend mitgetragen.
Rund um den Muttertag teilten wir Impulse, die Familie, Fürsorge und gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt rückten. Im Kern stand die Frage, wie Elternschaft – und insbesondere die vielfältigen Aufgaben von Müttern – stärker gemeinschaftlich getragen werden kann. Menschen sind nicht dafür geschaffen, Herausforderungen allein zu bewältigen. Familien brauchen unterstützende Strukturen, gegenseitige Hilfe und ein Umfeld, das Fürsorgearbeit wertschätzt. Gerade in unserer Zeit lädt dies dazu ein, über neue Formen von Solidarität und Zusammenhalt nachzudenken.
https://www.facebook.com/reel/1326204386099520
Dies sieht auch UN Women Deutschland so:
Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen.“ Und trotzdem leben viele Eltern heute in einer Gesellschaft, die von Individualismus geprägt ist. „Mutterschaft zeigt, wie sehr wir einander brauchen. Wir wurden nie dafür gemacht, alles allein zu schaffen.“ — Wana Limar
In einer Gesellschaft, die Unabhängigkeit und Selbstoptimierung idealisiert, wird Unterstützung oft als Schwäche gesehen. Dabei entsteht Fürsorge nie allein. Trotzdem wird Mutterschaft häufig zur privaten Last gemacht – etwas, das individuell organisiert, getragen und bewältigt werden soll. Besonders Eltern erleben den Druck, gleichzeitig emotional präsent, finanziell abgesichert, organisiert und produktiv zu sein – oft ohne ausreichende soziale oder gesellschaftliche Unterstützung. Was dabei verloren geht, ist Gemeinschaft: füreinander da sein, Verantwortung teilen und Menschen nicht mit ihren Belastungen alleine lassen
(Wana Limar ist Moderatorin, Gründerin und Aktivistin und setzt sich öffentlich für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Bildung und soziale Gerechtigkeit ein)
Niemand sollte Mutterschaft allein tragen müssen.
Gleichberechtigung als Voraussetzung für gesellschaftlichen Fortschritt
Die Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit von Frau und Mann war auch eines der zentralen Themen, denen wir uns während der Frühjahrsschule 2026 in Mannheim zuwandten. In Gesprächen und Workshops wurde deutlich: Eine friedvolle Gesellschaft kann nur entstehen, wenn Frauen und Männer partnerschaftlich an der Weiterentwicklung gesellschaftlicher Strukturen zur „Besserung der Welt“ mitwirken. Das bekannte, besonders kraftvolle Bild beschreibt Frau und Mann als zwei Flügel eines Vogels: „Erst wenn beide gleich stark entwickelt sind, kann sich die Menschheit erheben und wahren Fortschritt erreichen.“
In diesem Zusammenhang erinnerte ein Kommentar unseres Vorstandsmitglieds Shila Behjat daran, wie lange das Streben nach Gleichberechtigung und Anerkennung der Gleichwertigkeit von Mann und Frau bereits erkämpft wird: So markiert das Jahr 1848 – oft als Beginn moderner Frauenbewegungen im Westen betrachtet – zugleich auch in anderen Teilen der Welt wichtige Entwicklungen: In Persien setzten sich Frauen für Gleichstellung ein, in Indien wurde die erste Schule für Mädchen eröffnet … und das, während Frauen in Europa trotz ihres Engagements vielfach von politischen Entscheidungsräumen noch ausgeschlossen blieben. Diese Perspektive lädt dazu ein, den Einsatz für Gleichberechtigung als weltweites und fortdauerndes Streben nach Gerechtigkeit und Einheit zu verstehen.
https://www.facebook.com/reel/1510538717519300
Gemeinsam wachsen – Kinder und Juniorjugendliche begleiten
Dass diese Themen in der Kindererziehung einen besonderen Stellenwert haben müssen, ist eine Erkenntnis, der wir uns immer wieder zuwenden; so zum Beispiel in Neunkirchen / Saarland: In Zusammenarbeit mit dem Bahá’í Frauenforum Saarland und der Katholischen Familienbildungsstätte Neunkirchen entstand ein Ort der Begegnung, an dem Werte wie Freundschaft, Verantwortung und gegenseitige Unterstützung lebendig werden. Ein besonderer Schwerpunkt lag in den vergangenen Wochen auf der Begleitung dieser jungen Menschen – in den letzten Monaten hauptsächlich Mädchen mit kurdisch / arabischem Hintergrund. Auch zu ihren Müttern bzw. Familien wurde ein enger Kontakt aufgebaut. Eine Kooperation mit der lokalen Bürgerinitiative und engagierten ukrainischen Familien führte zu einer Vielzahl von Begegnungen, in denen der Bahai-Gedanke der Einheit und Gleichwertigkeit gelebt wurde. Mit der „Edelstein“-Kinder- und Juniorjugendgruppe wurde ein Raum geschaffen, in dem Kinder und Juniorjugendliche gemeinsam lernen, kreativ sein und wichtige geistige und soziale Fähigkeiten entwickeln können. Dabei steht die Ermutigung von Frauen und Mädchen, sich zum Wohle der ganzen Gesellschaft mit ihren Fähigkeiten und Talenten zu erheben, im Mittelpunkt. Besonders glücklich waren wir darüber, dass aus dieser Arbeit freundschaftliche Bande entstanden und eine rege Beteiligung an der diesjährien Frühjahrsschule in Mannheim.
Dass sich das Bahá’í-Frauen-Forum e. V. mit der Edelsteingruppe ehrenamtlich engagiert, wurde durch den Landrat und die Ehrenamtsbörse während der Verleihung des Ehrenamtspreises ausdrücklich gewürdigt. Gesellschaftliches Engagement zur Stärkung von Frauen und Mädchen ist eine Aufgabe, der wir uns nicht früh genug widmen können. Dabei ist es ein Segen, wenn dies auch gesehen und positiv bewertet wird, sodass Bahá’í-Ideale und -Lehren auf natürliche Weise in die Gedankenwelt der Gesamtgesellschaft einfließen und von ihr übernommen werden.
Starke Frauen – Im Gespräch mit Eugenia Johrend
Ein besonderer Höhepunkt im Juni war die Veranstaltung „Im Gespräch mit … Eugenia Johrend“ im Besucherzentrum des Hauses der Andacht in Hofheim-Langenhain.
Die Autorin stellte ihr neues Buch über Maria von Rumänien vor – eine außergewöhnliche Frau, deren Lebensweg von Verantwortung, gesellschaftlichem Engagement und spiritueller Suche geprägt war. Die Veranstaltung eröffnete spannende Einblicke in die Geschichte einer Persönlichkeit, die in bewegten Zeiten Mut, Orientierung und Dienst miteinander verband.
Unter dem Leitgedanken „Starke Frauen“ wurde deutlich, wie inspirierend Lebenswege sein können, die geistige Suche und gesellschaftliche Verantwortung vereinen.
Gemeinsam nach vorn
Die vergangenen Wochen haben erneut gezeigt, wie vielfältig die Wege sind, auf denen Gemeinschaft wachsen kann: im Einsatz für Menschenwürde, in der Begleitung junger Menschen, in Gesprächen über inspirierende Lebenswege oder im gemeinsamen Nachdenken über Verantwortung in Familie und Gesellschaft.
Auf Einladung von Ramesch e.V. fand bereits am 15.03.26 ein Workshop zum Thema „Frauen als Gestalterinnen der Gesellschaft“ statt. Referentin war Ferah Aksoy-Burkert, Vorstandsvorsitzende des Bahá’í Frauen Forums und Psychologische Psychotherapeutin. Aus dieser erfolgreichen Zusammenarbeit von Ramesch e. V. und dem BFF e.V. sind für die Zukunft bereits weitere Ideen entstanden, die zeigen, wie leicht eine Vernetzung mit gleichgesinnten Organisationen möglich ist.
Im Mittelpunkt des Workshops stand die Frage, welche Rolle Frauen für den Fortschritt der Gesellschaft spielen und wie sie diese Rolle bewusster und wirksamer gestalten können. Dabei wurden sowohl die bisherigen Errungenschaften der Gleichberechtigung – etwa Bildung, politische Mitbestimmung, rechtliche Gleichstellung und stärkere berufliche Präsenz – als auch weiterhin bestehende Herausforderungen wie ungleich verteilte Care-Arbeit, Rollenbilder, Gewalt, Diskriminierung und der Gender Pay Gap in den Blick genommen.
Ein besonderer Schwerpunkt lag darauf, Frauen nicht nur als Betroffene gesellschaftlicher Ungleichheiten zu sehen, sondern als aktive Gestalterinnen in Familie, Bildung, Beruf, Gemeinschaft und Öffentlichkeit. In Austausch- und Reflexionsphasen konnten die Teilnehmerinnen der Frage nachgehen, wo Frauen bereits heute Gesellschaft prägen und wo ihre Gestaltungskraft noch stärker sichtbar und wirksam werden kann. Dabei brachte Ferah Aksoy-Burkert auch Bahá’í-Gedanken in den Workshop ein. Deutlich wurde, dass die Gleichberechtigung von Frauen und Männern aus Bahá’í-Sicht nicht nur ein Anliegen einzelner Gruppen ist, sondern eine Voraussetzung für den Fortschritt der gesamten Gesellschaft. Persönliche Entwicklung, Bildung, Mut, Empathie, Wissen und spirituelle Werte wurden als Kräfte betrachtet, durch die Menschen – und insbesondere Frauen – zur Gestaltung einer gerechteren und friedvolleren Gesellschaft beitragen können.
Ein zentrales Zitat aus den Bahá’í-Schriften erinnerte daran, dass alle Menschen erschaffen wurden, „um eine ständig fortschreitende Zivilisation voranzutragen“. Der Workshop machte erfahrbar, dass gesellschaftlicher Wandel nicht nur auf politischer oder institutioneller Ebene beginnt, sondern auch im Alltag: in Familien, Nachbarschaften, Bildungsräumen, Organisationen und im bewussten Miteinander.
Zum Abschluss formulierten die Teilnehmerinnen eigene Gedanken und nächste Schritte. So entstand ein lebendiger Raum des Austauschs, der Ermutigung und der gemeinsamen Reflexion darüber, wie Frauen ihre Stimme, ihre Fähigkeiten und ihre Verantwortung für die Gesellschaft noch stärker einbringen können. Diese Veranstaltung hat gezeigt, welche Möglichkeiten es gibt, unsere Themen einzubringen, und die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens in Gespräche mit verschiedenen Menschen einzubringen.
Mögen wir auch in den kommenden Monaten Möglichkeiten finden, Hoffnung zu stärken, voneinander zu lernen und gemeinsam zum Wohl unserer Gesellschaft beizutragen.
Mit den herzlichst verbundenen, sommerlichen Grüßen
Euer Bahai-Frauen-Forum e. V.
i.A. Sonja Jochum
Vorstand – Sekretariat
Burrwiesenweg 7, 66538 Neunkirchen, 0162 2071445